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Berühmte Krawattenträger und Ihre Marotte zur Krawatte
Bereits die chinesische Terrakotta-Armee unter Kaisers Shi Huang Di (221 - 206 v. Chr.) soll kunstvoll gebundene Halstücher getragen haben. Zu einem Erkennungszeichen entwickelten sie sich Mitte des 17. Jahrhundert, als Reitersoldaten Kroatiens während einer Parade vor dem Schloss Versailles aufmarschierten. Sie trugen Tücher, die um ihre Hälse gebunden waren und deren Enden herunter hingen. Insbesondere der so genannte „Sonnenkönig“, Ludwig der XIV., nahm diese „croata“ erfreut zur Kenntnis und nutzte sie fortan in leicht modifizierter Form unter dem Namen „cravate“. Die französischen Adelskreise taten es ihm gleich und auch in Europa erfreute sich dieses Kleidungsstück bald größter Beliebtheit. Nach einer langen Reise durch die folgenden Jahrhunderte war es der New Yorker Erfinder Jesse Langsdorf, dem es zu verdanken ist, dass die heutige Krawatte formbeständiger und wesentlich pflegeleichter einzusetzen ist. Er entwickelte eine feinere Schnitt-Technik und setzte die Krawatte aus drei Einzelteilen zusammen.
Ansichten und Aussprüche über die Krawatte
Vom Duc de la Rochefoucauld stammt der Ausspruch "Der Krawattenknoten ist für die Krawatte, wie der Kopf für den Mann". Honoré de Balzac (1799-1850) ergänzte dies durch die Worte "Ein Mann ist soviel wert wie seine Krawatte. Durch sie enthüllt sich sein Wesen, in ihr manifestiert sich sein Geist. Der Geist des Mannes zeigt sich in seiner Fähigkeit, die Krawatte zu binden.". Der irische Schriftsteller Oscar Wilde war beim Thema Mode und insbesondere im Hinblick auf die Krawatte äußerst hingebungs- und anspruchsvoll. So behauptete er, dass eine gut gebundene Krawatte der erste ernste Schritt im Leben eines Mannes sei. Das mag sich allerdings heutzutage relativiert haben. Was bleibt ist jedoch, dass die Krawatte nie an Popularität verloren hat. Mehr noch: Der Journalist und Literatur-Kritiker Prof. Hellmuth Karasek beteuert "Ich liebe Krawatten, weil ihre Passform unabhängig von meinem Gewicht ist.". Otto Sander liebt es, seine Krawatte in das Bündchen seiner hoch gezogenen Anzughose zu klemmen. Das allerdings nur mal zum Spaß. Aber zugegeben: Nicht jeder mag die Krawatte; mehr noch: Viele fühlen sich dadurch eingeengt und zu etwas gezwungen, das sie eigentlich nicht wollen; was allerdings oftmals einfach an einer schlecht gebundenen Krawatte liegen mag. Nichtsdestotrotz gibt es unzählige Fans, die es sich nicht vorstellen könnten, auf ihre geliebte Krawatte zu verzichten.
Ebenso wie zahlreiche Formen, Muster und Stoffe für die Krawatte angeboten werden, gibt es eine Vielzahl verschiedenster Knoten, die sich den unterschiedlichen Kragenformen der Hemden perfekt anpassen. Mittlerweile wurden fast 200 Knoten mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden zum Binden einer Krawatte gezählt, die jedoch kein Mensch alle beherrschen dürfte. Letzteres ist auch keinesfalls notwendig, da sowieso jeder früher oder später seinen Lieblingsknoten findet, den er alsdann immer wieder verwendet, um seine Krawatte zu binden. Zumindest sofern sich der jeweils gewählte Hemdkragen für die gewählte Form des Knotens eignet. Frank Sinatra bevorzugte zum Beispiel den Windsor-Knoten, Joseph Conrad präferierte den Prince-Albert-Knoten und Cary Grant legte mehr Wert auf eine hübsche Faltenbildung unterhalb des Knotens. So hat eben jeder Mann beim Schließen der Krawatte seine ganz eigenen Vorlieben. Dass der Ausspruch „Ein Mann muss keine Krawatte tragen, um elegant auszusehen. Sie ist nicht mehr als ein dekoratives Detail.“ ausgerechnet von dem italienischen Modeschöpfer Giorgio Armani stammt, würde wahrscheinlich niemand auf Anhieb vermuten. Der Theaterleiter und Schriftsteller Rudolf Rolfs widersprach ihm nicht unbedingt, als er sagte „Die Werbung möchte uns einreden, dass man ohne Kopf weiterkomme als ohne Krawatte.“. Auch der Schriftsteller und Kabarettist Otto Grünmandl klang nicht unbedingt euphorisch, als er über den Binder verlauten ließ „Ist es nicht Wahnsinn, eine Krawatte zu tragen, das heißt, den Kopf in eine Schlinge zu stecken, die jeder zuziehen kann?“. Und doch zählen sie alle zu den regelmäßigen Trägern einer Krawatte. .
Die Krawatte um jeden Preis?
Durch das deutsche Krawatten Institut in Krefeld wird regelmäßig die Auszeichnung „Krawattenmann des Jahres“ verliehen. Sie gilt Menschen, die sich durch ihr modisches Erscheinungsbild, natürlich stets mit Krawatte, Stil sicher in der Öffentlichkeit bewegen. Unter den Ausgezeichneten finden sich ebenso Menschen aus der Unterhaltungsbranche, wie auch aus der Politik und der Wirtschaft. Den Anfang machte im Jahr 1965 der Schauspieler und Showmaster Hans-Joachim Kulenkampf, bei dem natürlich in Anbetracht seiner steten Begleitung durch einen Buttler eine Krawatte auf gar keinen Fall fehlen durfte. Auch wenn sein Maskenbildner einmal behauptete "Du siehst immer gleich aus. Nur dauert es jetzt etwas länger, bis es soweit ist.", wechselte Kulenkampf zumindest seine Krawatte sehr regelmäßig. Für den hoch geehrten Sportfunktionär Willi Daume war es ebenfalls absolut undenkbar, sich ohne Krawatte in der Öffentlichkeit sehen zu lassen, was ihm im nächsten Jahr die Auszeichnung „Krawattenmann“ einbrachte. Ebenso wie für Willy Brandt, der ihm folgte. Bernhard Grzimek wurde 1968 geehrt; unter anderem weil er auf seine Krawatten sein Lieblingstier, den Igel, sogar eingestickt hatte. Nach Walter Scheel und Helmut Schön wurde im Jahr 1971 der britische Schauspieler Peter Wyngard geehrt, der unter anderen in der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ mitwirkte. Vor allem in seiner Serie „Jason King“ war er trotz seiner stets recht schrillen Kleidung selten ohne Krawatte zu sehen, was ein klares Zeichen seiner Affinität zu diesem Kleidungsstück sein dürfte. .
Dass zum Outfit des Preisträgers von 1972, dem Schlagersänger und Schauspieler Roy Black, in dem er stets wie frisch aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt wirkte, grundsätzlich eine perfekt sitzende Krawatte gehörte, versteht sich von selbst. In den Folgejahren wurden zahlreiche weitere Auszeichnungen an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Liebhaber der Krawatte verliehen. Hierzu zählen der CDU-Politiker Kurt Hans Biedenkopf, der Sportreporter Dieter Kürten, der US-amerikanische Industriemanager Robert „Bob“ A. Lutz, der Springreiter und mehrfache Olympiagewinner Alwin Schockemöhle, sowie der CDU-Politiker Walter Leisler Kiep, der Bankier Friedrich Wilhelm Christians und auch der Publizist, Aphoristiker und Journalist Johannes Groß. Das öffentliche Erscheinen all dieser Persönlichkeiten wäre ohne bestens sitzende Krawatte undenkbar gewesen. 1981 wurde die vermutlich bis heute einzige, regelmäßig fliegende Krawatte ausgezeichnet: Ihr Träger war der Moderator und Entertainer Hans Rosenthal. Ihm folgten der Fernsehmoderator, Schauspieler und Autor Wilhelm Wieben, der Unternehmer O. W. v. Amerongen, sowie der CSU-Politiker Richard Stücklen; außerdem der Fernseh-Journalist Claus Seibel, sowie der ehemalige Präsident der Bundesbank, Karl Otto Pöhl. Im Jahr 1991 freute sich Günther Jauch, der es durch die stets perfekte Wahl seiner Krawatte sogar fertig bringt, einer Frau wie Alice Schwarzer zu imponieren über die Auszeichnung zum „Krawattenmann des Jahres“. .
Beim 1997 geehrten Bodo Hugo Hauser liegt die Vorliebe für die Krawatte bereits in der Wiege begründet. Der Journalist und Moderator kam als Sohn eines Krawatten-Fabrikanten in Krefeld zur Welt. 2001 erhielt der gleichjährige Träger des „Orden wider den tierischen Ernst“ die Auszeichnung als „Krawattenmann des Jahres“: Dr. jur. Guido Westerwelle. Bleibt zu hoffen, dass er mit seinen schmucken Bindern niemals in eine Weiberfastnacht gerät. Im Jahr 2003 wurde eine bisher einmalige Ausnahme gemacht, als eine gesamte Fußballmannschaft, nämlich sämtliche Spieler von Borussia Mönchengladbach, ausgezeichnet wurde, weil sie sich nie ohne Krawatte in der Öffentlichkeit zeigten; abgesehen von den Spielen. Dass das musikalische und instrumentale Multi-Talent Götz Alsmann im folgenden Jahr geehrt wurde, versteht sich fast von selbst. Immerhin gehören seine Haartolle nebst eleganter Bekleidung und selbstverständlich eine Krawatte zu seinen Markenzeichen, auch wenn die Krawatte manchmal durch eine Fliege abgelöst wird. Nachdem der Journalist und Autor Ullrich Wickert im Jahr 2005 die Ehrung für seine Liebe zur Krawatte zuteil wurde, bekam unter anderem mit der Begründung "Lässigkeit in der Haltung, nicht Nachlässigkeit im Habitus der Bekleidung" Christian Wulff im Jahr 2006 die besagte Auszeichnung verliehen. 2007 folgte Roger Cicero, der nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch dadurch, dass und wie er die Krawatte trägt, für nicht nur sprichwörtlich guten Ton im Bereich Musik und Kleidung sorgt. Selbstverständlich darf einer der größten Gentlemen dieser Zeit nicht fehlen. Deshalb wurde im Jahr 2008 der Gentleman-Boxer Henry Maske zum „Krawattenmann des Jahres“ ernannt. Ihm wird nachgesagt: Wenn er jemals im Ring eine Krawatte getragen hätte, wäre sie ihm wohl kaum verrutscht. Und wer würde es wagen, daran zu zweifeln ... .
Eine Krawatte macht noch keine Femme fatale
Noch heute wir die Krawatte überwiegend im Zusammenhang mit Männern gesehen. Dennoch gab und gibt es einige Frauen, die auf dieses Accessoire keinesfalls zu verzichten bereit sind oder waren. Bereits zu beginn des 19. Jahrhunderts war es die französische Schriftstellerin Amandine-Aurore-Lucile Dupin de Francueil, bekannter unter dem Namen George Sand, die mit dem Tragen von Anzug und Krawatte nicht nur höhere Ansprüche an die Emanzipation der Frau stellte. Vielmehr war damit ein für Frauen neuer, bis dato verpönter und revolutionärer, jedoch noch heute mitunter etwas verrucht aber durchaus verführerisch wirkender, Bekleidungsstil ins Leben gerufen worden. Diesem Ruf folgten zahlreiche Damen, wie beispielsweise Marlene Dietrich, die das Tragen der Krawatte von Frauen regelrecht kultivierte. Ihr Kleidungsstil, nicht nur aber eben auch die Krawatte betreffend, ist noch heute legendär. Allerdings ist keinesfalls davon auszugehen, dass das alles zur Geschichte der Menschheit gehört. Nach wie vor gibt es Frauen, deren Markenzeichen unter anderem die Krawatte ist. Dazu zählen beispielsweise die Kanadierin Avril Lavigne und die Schauspielerin Katharina Thalbach. Spätestens damit dürfte bewiesen sein, dass das Tragen einer Krawatte keinesfalls zwangsläufig als Phallussymbol zu betrachten ist. Obgleich „Phallus“ für Kraft und Fruchtbarkeit steht. Insofern müssten eigentlich alle Frauen eine Krawatte tragen. Allerdings kann niemand ein Interesse daran haben, den Männern alles zu nehmen.

















