Krawatten sind mehr als nur ein Teil des Dresscodes

Dresscode im klassischen Geschäftsleben

Krawatten stehen im klassischen Geschäftsleben für Leistung und Prinzipien. Wenn Sie in Ihrem Beruf heutzutage Erfolg haben möchten, dann müssen Sie mehr zu bieten haben als erfolgreiche Noten in der Abschlussprüfung. Um Kunden von sich, dem Angebot und Ihrer Firma zu überzeugen, bedarf es auch eines stilvollen Auftretens. Ein solches fehlt den meisten Angestellten beim genaueren Blick hinter die Bürotüren jedoch völlig. Dabei lernen wir alle schon als Kinder: Kleider machen Leute! Kleider hinterlassen auch Eindrücke und hier folgt sogleich die zweite Weisheit des Tages: Für einen ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance! Egal ob ungepflegte Schuhe, zu kurze Socken, Trägerhemden, ein offener Zweireiher, Krawatten mit Motiven oder Krawatten in grellen Farben, die Liste der möglichen Ursachen für ein Kopfschütteln ist lang und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Kunde sich einen Geschäftspartner erwählt, der durch sein gepflegtes Äußeres mehr Vertrauen erweckt...

Elegant oder bequem?

Trägt Ihr Chef sportliche Shirts zur Arbeit, dann dürfen Sie bestimmt auch auf die Krawatte verzichten. Aber Vorsicht, im klassischen Geschäftsleben trägt der männliche Vorstand ausnahmslos Anzug mit Krawatte und der weibliche Kostüm. Wer da im Vorstellungsgespräch nicht mit einer edlen Krawatte punktet, der wird bei solch kundennahen Institutionen wie dem Bankgewerbe oder Versicherungen keine Karriere machen. Egal, ob Sie in einer Bank oder in einer Versicherung arbeiten – überall dort wo Kunden ihr Geld anlegen oder investieren sollen, muss Vertrauen aufgebaut werden. Ob wir das nun als gut empfinden oder nicht, es ist nach wie vor eine Tatsache, dass dem Banker mit der Krawatte und dem gut sitzenden Jackett mehr Vertrauen entgegen gebracht wird, als dem ebenso gut beratenden Polohemd tragenden Kollegen. Der leger gekleidete Herr fühlt sich wahrscheinlich besser in seiner Kleidung, der Träger der Krawatte jedoch bringt seiner Firma mehr Umsatz. Wer wird wohl eher Karriere machen?

Dresscode?

Was genau bedeutet denn nun aber eigentlich „Dresscode“? Vor den Zeiten der Ölkrise im Jahr 1977 gab es diesen Begriff gar nicht. Die Kleiderordnung im Büro wurde bis dahin für selbstverständlich betrachtet und nicht angezweifelt. Auf die Idee ohne Krawatte zur Arbeit zu erscheinen, wäre da niemand gekommen. Dann jedoch wurden im Hochsommer die Klimaanlagen ausgeschaltet und die Krawatten abgelegt. Diese Wandlung führte zum Auftauchen eines Dresscodes für die unterschiedlichsten Situationen. Auf einmal gab es nicht mehr die eine allgemeingültige Regel, sondern Regeln für den Abend, die Arbeitszeit, das Wochenende, und so weiter. Der Dresscode für den Mann im Geschäftsleben ist eigentlich recht simpel: Man nehme einen seriös anmutenden Herren-Anzug mit gestreifter Krawatte, ein unifarbenes Hemd und gepflegte dunkle Schuhe. Der Dresscode für die Frau im Geschäftsleben klingt ebenso banal: ein unifarbenes Kostüm oder ein Hosenanzug mit Bluse und passenden Pumps hinterlassen einen optimalen Eindruck.

So einfach?

Nun, wenn es so einfach wäre, würde sich die Welt nicht den Kopf über den richtigen Dresscode im klassischen Geschäftsleben zerbrechen. Tatsächlich kann eine karierte Krawatte zum gestreiften Hemd so manch einen Betrachter erblinden lassen und zu dem unerwünschten Ergebnis führen ohne Geschäftsabschluss nach Hause fahren zu müssen. Wenn Mann morgens überlegt, wie er sich für den Tag kleiden soll, dann gilt es die folgenden vier Grundsatzregeln sorgfältig zu beachten.

Regel 1: Regelmäßigkeit und Offenheit!

Haben Sie am Montag einen Anzug mit edler Krawatte getragen, dann sollten Sie am Dienstag nicht mit Jeans erscheinen. Trägt Ihr Chef einen Anzug, dann tragen auch Sie einen – immer. Um jedoch nicht einfallslos zu erscheinen, sollten Sie einige Anzugvarianten besitzen, denn hier können Sie auch als Mann kreativ mit der Mode spielen. Ein Geschäftsanzug kann nämlich sowohl zwei als auch dreiteilig mit Weste daherkommen. Sollten Sie einen Zweiteiler wählen, dann denken Sie daran, dass dieser immer geschlossen bleibt, auch beim Sitzen. Wählen Sie dagegen einen Einreiher, dann dürfen Sie diesen während des Sitzens öffnen. Und vergessen Sie nie die Krawatte zum Anzug! Die Krawatte gehört zum A und O im Geschäftsleben. Legen Sie sich am besten eine ansehnliche Auswahl an Krawatten zu, um in den unterschiedlichen Situationen nicht mit derselben Krawatte aufzufallen.

Regel 2: Passende Muster!

Entscheiden Sie sich für höchstens ein gemustertes Kleidungsstück. Wenn die Krawatte gestreift ist, dann nehmen sie ein unifarbenes Hemd und einen ebensolchen Anzug. Wer ein Auge für Farben und Muster besitzt, der wird leicht erkennen, dass es hier Ausnahmen zur Regel gibt. Ein klein gemustertes Hemd können Sie selbstverständlich durch eine großgemusterte Krawatte ergänzen und auch im Geschäftsleben können Sie modische Akzente durch Krawatten mit Paisleymotiven setzen; achten Sie jedoch darauf dass Krawatten in pink, gelb oder hellgrün auch mit dem schönsten Muster als unseriös aufgefasst werden. Krawatten mit Paisleymotiven sollten farblich so dezent wie möglich gehalten sein, da das Augenmerk nicht auf der Farbe, sondern dem Muster der Krawatte liegt. Krawatten mit Phantasiemustern oder Punkten sind im Geschäftsleben nicht gern gesehen und sollten besser im Privatleben Anwendung finden. Wer nicht so stil sicher in der Wahl der Farben und Muster von Krawatte, Hemd und Anzug ist, bleibt am besten bei der schlichten und doch eleganten Regel. Wählen Sie sich jedoch nicht unbedingt die Socken als das eine gemusterte Kleidungsstück aus, denn diese sollten nicht zum Blickfang werden und immer unifarben daherkommen.

Regel 3: Paradiesvogel nicht willkommen!

Wenn Sie unbedingt auffallen wollen, sollten Sie diese Regel missachten und sich am besten nach einer neuen Stelle umsehen, denn wer bei den Farben daneben greift, erntet nur im besten Fall Gelächter, im schlimmeren Fall wird sein Urteilsvermögen angezweifelt. Wenn Sie wissen, dass Sie kein Auge für Farben haben, dann scheuen Sie sich nicht vor einer Typberatung. Dort lernen Sie fürs Leben! Generell gilt bei der Farbwahl, dass der hellhäutige Nordeuropäer zu dezenten Farben wie z.B. hellblau greifen sollte. Einen Farbtupfer zum dunklen Anzug kann dann ein leicht roséfarbenes Hemd setzen oder eine gestreifte orangefarbene Krawatte. Der dunkelhäutige Südeuropäer hat dagegen ein größeres Farbspektrum zur Verfügung ohne aufzufallen und kann auch mit einem pinkfarbenen Hemd oder einer gelben Krawatte noch punkten.

Regel 4: Stilecht besticht!

Was nun genau als stilecht gilt, unterliegt sicherlich dem persönlichen Geschmack. Es gibt jedoch einige Kleidungsstücke, die im Geschäftsleben unabdingbar und zum guten Ton gehören. Hose und Sakko verlieren im Finale gegen den Anzug, bestehend aus Hose und Jackett. Sollten Sie sich nicht sicher sein, greifen sie immer zum Anzug in Businessfarben. Das bedeutet, dass sowohl der schwarze Anzug als auch der braune Anzug ins Privatleben gehören, nicht aber ins Büro. Bei Kundengesprächen empfiehlt sich der dreiteilige Anzug mit Weste in gedeckten Tönen und passend zum langärmeligen Anzughemd mit Kentkragen sind auch Manschettenknöpfe ein Muss. In poliertem Silber gehören sie nach wie vor zu den Klassikern des Dresscode im Geschäftsleben. Unabdingbar ist auch die Seidenkrawatte, die auf keinen Fall gegen eine Schleife eingetauscht werden darf. Denken Sie immer daran, dass ihre Krawatte im Blickfeld des Kunden liegt und Ihr Gesamtbild abrunden soll. Ebenso wichtig ist die Wahl der Schuhe, die farblich zum Anzug passen müssen und im besten Fall schnürbare Halbschuhe sind. Egal ob Sie braune Budapester tragen oder schwarze Lackschuhe, Sie sollten dazu eine Uhr mit passendem Lederarmband wählen und um den guten Eindruck auch in den weiteren Accessoires zu verfeinern, haben Sie immer ein edles Stofftaschentuch bei sich, tragen Sie höchstens zwei Ringe und seien Sie auch bei der Wahl ihrer Tasche aufmerksam. Tragen Sie vorrangig anthrazitfarbene Anzüge, dann wählen Sie nicht die braune Aktentasche, sondern die schwarze!

Dies sind die vier grundlegenden Regeln, die in leicht abgewandelter Form natürlich auch für die Frau im Geschäftsleben gelten. Darüber hinaus jedoch gibt es noch ein paar weitere wichtige Aspekte zum Dresscode im Geschäftsleben zu bedenken.

Lang vs. kurz

Im Geschäftsleben tragen Sie immer lange Hosen. Kurze Hosen sind genauso inakzeptabel wie kurzärmelige Hemden oder zu kurze Krawatten. Da das Auge auf helle Farben reagiert und Europäer für gewöhnlich helle Haut haben, ziehen nackte Beine oder Oberarme den Blick schnell auf sich. Dementsprechend sollten auch Frauen unter einem Kostüm immer Feinstrumpf und eine blickdichte Bluse tragen. Gerade im Sommer tendieren Männer zum Unterhemd. Das ist zwar luftzirkulationsfreundlicher, doch im Geschäftsleben sollten Sie immer ein kurzärmliges T-Shirt unter dem Hemd tragen, um unerwünschte Blicke zu vermeiden. Zu kurze Socken sind ein ebensolches Tabu. Wie bereits ersichtlich wurde, gilt beim Thema Haut die Faustregel „Weniger ist mehr“. Eine unschöne Beinbehaarung, die bei überschlagenen Beinen unter der Anzughose hervorguckt, muss nicht sein und kann durch Kniestrümpfe vermieden werden. Die Frage nach lang oder kurz führt bei Krawatten übrigens zu einem Trendkonflikt. Obwohl es zur Mode geworden ist, die Krawatte kurz zu binden, gilt es in Geschäftskreisen nach wie vor als Grundsatz, dass die Spitze der Krawatte auf der Spitze des Gürtels liegt. Um die Frage nach kurzer oder langer Krawatte in Ihrem Umfeld zu klären, beobachten Sie einfach Ihren Chef und seien Sie wenn nötig ein klein wenig opportunistisch. Bei der Länge der Krawatte kann dies nicht schaden.

Der Wolf im Schafspelz: Gürtel und Socken

Achten Sie auf die Wahl Ihres Gürtels. Der berühmte Paradiesvogel ist auch hier schon häufig aufgefallen. Wählen Sie Ihren Gürtel immer passend zu den Schuhen und die Schuhe passend zum Anzug. Das klingt nur zu Beginn langweilig, nicht aber wenn die Farbakzepte mit dem Hemd oder der Krawatte gesetzt werden. So unwahrscheinlich es übrigens klingen mag, ein farblich unpassender Gürtel zieht den Blick ebenso auf sich wie falsch gewählte Socken. Bei letzteren ist schwarz immer die sicherste Wahl, aber nicht unbedingt die eleganteste. Socken werden generell unterschätzt und hinterlassen doch einen ebenso bleibenden Eindruck wie Krawatten. Wer stillecht daher kommen möchte, wählt seine Socken grundsätzlich einen Farbton dunkler als die Hose. Im Unterschied zu einer möglicherweise gemusterten Krawatte jedoch, sollten die Socken immer unifarben, um die Aufmerksamkeit nicht von ihrem Gesicht zum Boden zu ziehen. Es sind schließlich Sie, die einen Vertrag schließen wollen und nicht Ihre Socken. Ein grundsätzliches Tabu sind weiße Socken jeglicher Art. Dieses Tabu ist mittlerweile so alt, dass es jeder gehört haben sollte, aber zur Sicherheit wird es an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich betont: Bitte keine weißen Socken im Büro!

Luftzirkulation

An vielen heißen Tagen verwünschte schon so mancher Vorstand die Etikette. Das Jackett sollten Sie jedoch erst ausziehen, wenn der Ranghöchste diesen Schritt bereits getan hat. Bei Kundengesprächen behalten sie das Jackett immer an, unabhängig von der Kleidung des Gegenübers. Um sich im Hochsommer mehr Luft zu machen, sollten Sie auf leichte Baumwollstoffe zurückgreifen, die meist eleganter daherkommen als ihre Verwandten, die Leinen. Auch bei den Socken sind sie da auf der sicheren Seite, da leichte Synthetikfasern nämlich den Nachteil haben Schweißfüße zu verursachen und den damit einhergehenden Geruch möchte sicherlich keiner freiwillig verbreiten.

Individualität

Sollten Sie bei all dem Gerede um Anzug mit unifarbener Krawatte oder Krawatte als Farbklecks das Gefühl bekommen haben, Ihre Identität verstecken, verlieren oder kaschieren zu müssen, dann seien Sie entwarnt. Der Dresscode im Geschäftsleben lässt nicht nur Frauen einen Spielraum. Auch Männer können bei den Accessoires der persönlichen Note Ausdruck verleihen. Egal ob Uhr, Schmuck oder Frisur, solange der souveräne, gepflegte und vertrauenerweckende Gesamteindruck nicht zunichte gemacht wird, dürfen Sie hier experimentieren ohne gleich ins Fettnäpfchen zu treten.

Der Dresscode wurde also noch nicht in die letzte Ecke verbannt, es gibt ihn noch und in Zeiten der Krise ist es wichtiger denn je über ihn Bescheid zu wissen. Als Grundlage für die richtige Kleiderwahl am Morgen sollten Sie daher Ihren persönlichen Typ kennen. Dieser hilft Ihnen die zu Ihnen passenden Farben zu wählen und einen abgerundeten Gesamteindruck zu hinterlassen. Wenn Sie sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten, erkundigen Sie sich im Vorfeld über den dort herrschenden Dresscode und kleiden Sie sich entsprechend, denn es ist unwichtig, wie Sie bisher aussahen. Wichtig ist nur, ob Sie ins Team passen!

Wenn Sie die hier erwähnten Regeln einhalten, können Sie eigentlich nichts falsch machen und sind auf dem sicheren Weg zum stilechten Businesspartner.

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