Kleiderordnung im modernen Büroumfeld

Ein kleiner Krawatten-Knigge im modernen Büroalltag

„Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen“ sagt schon seit alten Zeiten der deutsche Volksmund. Oft liest man in Wirtschaftszeitungen und Karriereratgebern, welcher Business-Stil für die Garderobe zu empfehlen ist, will man Karriere machen. Man liest davon, wie ein Mann sich kleiden sollte, wenn er zu einem Vorstellungsgespräch geht. Aber gibt es ihn überhaupt, einen einheitlichen Büro-Dresscode? Ist die Krawatte zum Anzug wirklich Pflicht?

Pflicht zur Krawatte – Das Vorstellungsgespräch

Wer sich um eine neue Stelle bewirbt und bereits eine so außergewöhnlich gute Bewerbung verfasst hat, dass er tatsächlich zum persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen wird, der sollte sich in jedem Fall Gedanken über einen angemessenen Kleidungsstil machen. Bei den Herren ist der Zweireiher mit Hemd und Krawatte sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz. Der erste Eindruck ist prägend, daher nicht mehr revidierbar. Hier muss alles stimmen, es sei denn, man bewirbt sich in einer Branche, die bekanntermaßen Wert auf einen jungen, flippigen Stil legt und die ihre Mitarbeiter nach deren Kreativität bemisst. Dann aber wird Entsprechendes in der Stellenausschreibung vermerkt stehen. Zum Beispiel: „Zur Verstärkung unseres jungen, kreativen Hairstylisten-Teams suchen wir dich! Du bist ein jugendlicher Typ mit lässigem Auftreten, stellst Modebewusstsein täglich unter Beweis und hast eine abgeschlossene Ausbildung zum Friseur, dann komm zu uns….“ Hier in einem gedeckten dunkelblauen Zweireiher mit Krawatte aufzutauchen wäre wohl kontraproduktiv. Hier ist eher eine Designerjeans gefragt, ein lässiges Ed Hardy Hemd, Marken-Turnschuhe (natürlich sehr gepflegt) und ein unverwechselbarer Hairstyle, vermutlich wären auch Piercings ok. Wo keine Kleiderwünsche dieser Art angegeben sind, sollte man(n) stets mit Krawatte erscheinen. Wenn das Büro es später lockerer handhabt und einen Casual Look gestattet, dann wird der Chef das beim Vorstellungsgespräch schon mitteilen („Es freut mich, wenn Sie unser Team künftig verstärken werden. Übrigens halten wir es hier etwas lockerer, die Krawatte können Sie ruhig weglassen….“). Man sieht aber, dass derjenige sich über seinen ersten Eindruck Gedanken gemacht hat und positiv erscheinen möchte. Und das kommt immer gut.

Pflicht zur Krawatte? – Der Büroalltag

Abgesehen von einigen sehr konservativen Branchen, bei denen „Business Style“ als Dresscode vorgeschrieben ist, sind Büros im Allgemeinen eher etwas liberaler in ihrer Kleiderordnung eingestellt. „Business Style“ ist eine genaue Dresscode-Vorgabe und verlangt einen hochwertigen Look, was für die Herren immer Anzug und Krawatte bedeutet. „Business Style“ als Muss verlangen nur noch Banken, Versicherungen, Kanzleien, aber auch die Börse für ihre Mitarbeiter und Broker.

In allen anderen Bürobereichen gibt es so gesehen keinen vorgeschriebenen Dresscode. Allerdings gibt es eine Art unausgesprochenen Dresscode, auch in modernen liberalen Büros.

1. Je höher die Position, desto höher der Anspruch an die Kleidung und die Krawatte

Für große Firmengesellschaften gilt, je höher die Position ist, die man bekleidet, desto geschäftsmäßiger sollte man gekleidet sein, und dazu gehört selbstverständlich auch die Krawatte. Firmen, die Abteilungsleiter-Posten und darüber hinaus Filialleitungen etc. zu besetzen haben, werden es wohl kaum zulassen, dass der Vorgesetzte in Jeans und Turnschuhen zum Dienst erscheint. Wer in leitender Position tätig ist, muss als Vorgesetzter erkennbar sein, sollte eine elegante Krawatte tragen und Kompetenz, aber auch Autorität ausstrahlen. Im Freizeit - Look gelingt das kaum, da jeder damit eher den Kumpel-Typ assoziiert, selbst wenn hier eine, der Garderobe entsprechende Krawatte getragen wird. Sollte ein Mitarbeiter befördert werden, wird man ihm schon seitens der Firmenleitung nahelegen, künftig ausgesuchte Krawatten zu tragen.

2. Im Kundenkontakt niemals ohne Krawatte!

Der Grund, warum Banken und Versicherungen ihren Mitarbeitern die Krawatte abverlangen, ist, dass es sich um Branchen handelt, die Seriosität ausstrahlen und die direkt mit Kunden arbeiten. Wer sich ordentlich kleidet und Krawatten trägt, der kann auch mit Geld oder Vermögenswerten umgehen, so ist die allgemeine Annahme. Es hat sich einfach etabliert, dass Herren, die mit Kunden in Berührung kommen, Anzug und Krawatte tragen, sofern die Branche es verlangt. Dieses Wissen kann man auch auf alle anderen Branchen übertragen. Wer als Vertreter im Außendienst tätig ist und direkten persönlichen Kontakt mit Kunden pflegt, sollte eine Krawatte tragen. Eher noch könnte man auf das Sakko verzichten und stattdessen einen schicken Pullunder, eine edle Strickjacke oder nichts dergleichen über dem Hemd tragen, die Krawatte sollte aber keinesfalls fehlen. Sie nämlich ist das Zeichen für Seriosität. Wer lediglich telefonischen Kundenkontakt pflegt wie beispielsweise Mitarbeiter von Callcentern, braucht dagegen keine Krawatte.

3. Dienst ist Dienst – Freizeit ist Freizeit und Krawatte ist nicht gleich Krawatte

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, trägt im Büroalltag immer eine Krawatte, um sich ganz klar vom Freizeit-Look abzuheben. Möglicherweise wird er damit bei manchen Kollegen auf Unverständnis stoßen, aber er wird schnell klarmachen, dass er Dienstliches und Privates strikt trennt. Im Zweifelsfall kann man auf den „Business Casual“ Style umsteigen, was bedeutet, dass der Herr Hemd, Hose und Sakko ohne Krawatte trägt, wobei das Hemd nicht mehr als ein bis zwei Knöpfe am Kragen geöffnet ist. Jeans bietet sich da an, wo sie schlicht ist, auf modischen Schnickschnack verzichtet, keine Designer-Risse aufweist und wo sie mit einem Hemd und Krawatte kombiniert werden kann. Hierzu kann man dann wiederum etwas legerere Krawatten tragen, das Ganze ohne Sakko, ohne unangenehm aufzustoßen. Wer es versteht, seinen dienstlichen Style klar und deutlich von seiner Freizeit abzutrennen, der wird auch in den Chefetagen einen positiven Eindruck hinterlassen. Aber glauben Sie nicht, das es Ihren Vorgesetzten nicht auffällt, wenn Sie nicht korrekt gekleidet sind. Gerade Vorgesetzten, die im Umgang mit Krawatten versiert sein sollten, fällt es unangenehm auf, wenn Ihre Angestellten es nicht für nötig halten sich eine adäquate Krawatte umzubinden. Umgekehrt ist es da schwieriger. Wer stets – weil die lockere Büroordnung es nicht anders vorgeschrieben hat – in legerer Freizeitkleidung zum Dienst erscheint, hat es schwerer, plötzlich eine Abteilung zu leiten und fortan mit Krawatte zu erscheinen. Zu sehr sehen die Kollegen noch den Kumpel in ihm, als dass sie ihn plötzlich als Chef mit Krawatte und anderem Dress – Code anerkennen. Hier wirkt die Krawatte und der Zweireiher für die ehemaligen Kollegen aufgesetzt.

Auch wenn es keinen eindeutigen Dresscode in den meisten Büros mehr gibt, sollte man sich in der Arbeit nicht zu leger geben. Das Tragen einer Krawatte kann auch von Vorgesetzten wohlwollend als Wertschätzung seiner Tätigkeit gesehen werden.

New Economy oder Konservativismus – Was zeigt sich besser?

Hier sollte es nicht um eine Branchenbewertung gehen, sondern um die Analyse des Umgangs mit dem Dresscode. Konservative Branchen, die ihren Mitarbeitern selbst im Hochsommer Hochgeschlossenheit, Krawatte und Sakko abverlangen, in manchen Fällen sogar noch zusätzlich eine Herrenweste, lösen im Betrachter, in vielen Fällen also die Kunden, Mitleid aus. Der konservative Business-Stil kann also auch Assoziationen wie mangelnde Flexibilität und Starrheit auslösen. Das ist der Grund, dass nur noch Branchen, in denen es auf Grundwerte wie Verlässlichkeit und Unveränderbarkeit ankommt, wie zum Beispiel Banken, auf diesen strengen Dresscode bestehen. Alle Branchen, die jung, dynamisch, flexibel und kundenorientiert auftreten wollen, werden den klassischen grauen oder blauen Zweireiher verbannen und auf einen flexibleren Look Wert legen, aber auch wenn die Etikette sich gelockert hat, wird in der Regel das tragen einer gepflegten Krawatte vorausgesetzt.

Vor allem in Verkaufsbranchen sieht man diesen Imagewandel sehr deutlich. Autoverkäufer treten bei weitem nicht mehr so konservativ gekleidet auf wie ein Kollege in der Bank. Das liegt daran, dass viele der zu verkaufenden Autos Sportlichkeit, Jugendlichkeit und ein wenige Spritzigkeit versprechen. Der Verkäufer von Luxuswagen wird wohl eher im klassischen Zweireiher mit Krawatte anzutreffen sein, als der Verkäufer von Sportautos oder schicken kleinen Cityflitzern für Frauen, denn dieser kann auch schon mal eine schicke Jeans in Kombination mit Hemd und Krawatte tragen.

Gerät man hier nicht in einen Konflikt mit der Wertschätzung gegenüber seiner Arbeit und den Kunden und negativen Assoziationen, die ein konservativer Kleidungsstil auslösen kann? Wer es versteht, sich gut zu kleiden, ohne dabei verstaubt und konservativ zu wirken, für den stellt sich diese Frage überhaupt nicht und Krawatten sind heutzutage in so mannigfaltigen jungen Designs anzutreffen, dass das tragen einer Krawatte als angenehm empfunden wird..

Moderne Krawattenmode – Des Dilemmas Lösung?

In den verschiedenen Branchen der New Economy, die sich von konservativen Branchen auch schon durch eine Lockerung oder gänzliche Aufhebung des Dresscodes unterscheiden, kann man dem persönlichen Anspruch, sich dienstlich zu kleiden, durchaus gerecht werden, ohne altmodisch oder starr zu wirken. Gerade im Bereich der Krawattenmode hat sich viel getan. Es gibt Krawatten in sehr angesagten Farben, die in der konservativen Branche zu den absoluten No-Go’s zählen würden. Es gibt Krawatten mit sehr modernen, teilweise sogar lustigen Motiven, die ihren Träger als jung, dynamisch und flexibel auszeichnen. Mit der Wahl der richtigen Krawatte kann ein Verkäufer beispielsweise seinem Kunden signalisieren: „Ich sitze hier, nehme dich und meinen Beruf sehr ernst, deshalb trage ich keine Freizeitkleidung. Gleichzeitig habe ich viel Freude an meinem Beruf und das, was ich verkaufe, damit identifiziere ich mich und habe Spaß daran, deshalb zeige ich meine Freude durch die schöne Krawatte.“

Die passende Krawatte kann die Brücke zwischen Dresscode und Modernität sein. Allerdings gibt es auch hier etwas zu beachten: Ein Krawattenmotiv darf durchaus witzig sein, sollte aber niemals kindisch oder verspielt wirken, also bitte keine Krawatte mit Donald Ducks oder Micky Mäusen. Sonst kann die erzielte positive Wirkung der Krawatte übersteigert werden und sich ins Gegenteil verkehren, so dass derjenige nicht mehr ernst genommen wird oder dass der Kunde sich nicht genügend ernst genommen fühlt.

Krawatte nun tragen oder weglassen?

An und für sich beantwortet sich die Frage von alleine, wenn man bedenkt, dass die „Krawatte“ lediglich eine Umschreibung für den Business Look ist. Wer sich geschäftlich stylt, muss nicht zwingender maßen eine Krawatte tragen, obwohl es sich aus den vorhin genannten Gründen empfiehlt. Wichtig ist, dass man sich in seinem Büro-Style deutlich von seinem Freizeit-Look abgrenzt. Die New Economy lässt ohne weiteres zu, dass Herren im modernen Büroalltag ohne Krawatte erscheinen können, aber sie müssen als Geschäftsleute erkennbar sein. Wer so aussieht, als wolle er mit seinen Kumpels ein Bier in der Eckkneipe trinken gehen oder zum Angeln fahren, hat wohl überall schlechte Karten. Abschließend sei ein Zitat von dem bekannten Erfolgstrainer Nikolaus B. Enkelmann angefügt: „Man sollte sich schon heute so kleiden, wie es für die Position notwendig ist, die man morgen bekleiden möchte.“

Zurück